Ausgezeichnetes Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt 2020

Am Donnerstag, den 22. Oktober 2020, wurde die “Kiesgrubenlandschaft Weilbach” der Gesellschaft zur Rekultivierung der Kiesgrubenlandschaft Weilbach mbH (GRKW) durch Staatsminister Axel Wintermeyer als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet. Landrat Michael Cyriax nahm die Aufzeichnung als Aufsichtsratsvorsitzender der Gesellschaft entgegen. Leider konnte die im Anschluss geplante Feier mit Aufsichtsratsmitgliedern, ehemaligen Geschäftsführern, ehrenamtlichen Mitarbeitern sowie Mitarbeitern des Naturschutzhauses und der GRKW aufgrund der Corona-Pandemie nicht durchgeführt werden. Dennoch stellt sie im Jubiläumsjahr der GRKW eine Würdigung der Anstrengungen vieler Beteiligter innerhalb der vergangenen 40 Jahre dar.

Das Projekt „Kiesgrubenlandschaft Weilbach“ und dessen Renaturierung trägt in beispielhafter Weise zum Erhalt biologischer Vielfalt bei. Es bietet auf seinem 150 Hektar großen Gelände Ruhe- und Brutzonen für viele Tiere und Insekten. Das Naturschutzgebiet ist durch die Renaturierung aus einer Landschaft mit ungenehmigten Kiesgruben und wilden Hausmülldeponien in den letzten 40 Jahren entstanden. Die heutigen 58 Hektar des ehemaligen Kiesgrubengeländes stehen unter strengem Naturschutz und können nicht betreten werden. Seltene Pflanzen und Tiere haben sich hier die Natur zurückerobert. Der sogenannte ‚Silbersee‘ ist zusammen mit weiteren, kleineren Gewässern und den angrenzenden Feuchtgebieten ein wichtiger Lebensraum für Zugvögel, Amphibien und Insekten. Leben auf engstem Raum zwischen Sumpf und Trockenheit – das ist das Geheimnis der enormen Artenvielfalt im Naturschutzgebiet der Weilbacher Kiesgruben. Naturschutzgebiet und Naturlehrgebiet der Weilbacher Kiesgruben grenzen an weitläufige Streuobst- und Blühwiesen, welche wesentlich zum Erhalt der charakteristischen Kulturlandschaft beitragen und der Biodiversität, besonders unter den Insekten, zuträglich ist. Mit ihrer Gründung im Jahr 1980 hat es sich die Gesellschaft zur Rekultivierung der Weilbacher Kiesgruben mbH (GRKW) zur Aufgabe gemacht, die durch den Kiesabbau zerstörte Landschaft durch Rekultivierungsmaßnahmen wiederherzustellen, zu pflegen und der Öffentlichkeit als Naherholungsgebiet zur Verfügung zu stellen.

Ein Besuch des Geländes wird zu jeder Jahreszeit mit neuen Einblicken belohnt: Im Sommer dieses Jahres wurde die in nährstoffarmen Seen vorkommende Armleuchteralge im Silbersee reichhaltig vorgefunden. Weitere Augenweiden waren die wieder vorzufindende Gottesanbeterin, scheue Gartenschläfer und bezaubernde Widderchen. Der vielen in der Region bekannte Schmetterlingsexperte Alfred Westenberger konnte feststellen, dass in den letzten Jahren im Gesamtgebiet der Weilbacher Kiesgruben circa 40 Tagfalter- und Widderchenarten zu beobachten sind. Dies ist sehr beachtenswert, wenn man bedenkt, dass in ganz Hessen nur etwa die doppelte Anzahl dieser Arten vorkommt.

Auch das Naturschutzhaus bietet in Kooperation mit dem Main-Taunus-Kreis zu diesen Themen das ganze Jahr über ein vielfältiges Natur-Bildungsprogramm.

„Die GRKW hat durch ihr vielfältiges Engagement die durch den Kiesabbau zerstörte Natur wieder zum Leben erweckt. Sie hat ein Naturschutzgebiet, ein Naturlehrgebiet und ein Freizeitgelände geschaffen, das mit seinen zahlreichen Biotopen eine enorme Artenvielfalt birgt und ein wichtiger Lebensraum für Insekten, Vögel und Amphibien ist. Davon profitieren auch die jährlich rund 50.000 Besucherinnen und Besucher, die das Naherholungsgebiet genießen und die besondere Tier- und Pflanzenwelt erleben und entdecken können. Die Weilbacher Kiesgruben tragen nunmehr seit Jahrzehnten zum Erhalt der biologischen Vielfalt bei. Deshalb freue ich mich sehr darauf, die Auszeichnung als UN-Dekadeprojekt zu überreichen“, sagte der Chef der Hessischen Staatskanzlei, Staatsminister Axel Wintermeyer.

Landrat Michael Cyriax ist der GRKW seit langem als Vorsitzender des Aufsichtsrates sehr verbunden und bemerkt zu der Entwicklung in den vergangenen vierzig Jahren: „Die Weilbacher Kiesgrubenlandschaft hat eine erstaunliche Wandlung hinter sich: Vom unkontrollierten Kiesabbau und der illegalen Müllablagerung wurde sie zu einem Rückzugsraum für Mensch und Natur. Was für uns ein wichtiges Naherholungsgebiet ist, bietet zum Beispiel seltenen Faltern einen optimalen Lebensraum – heute werden dort Naturschutz, Umweltbildung und Freizeitgestaltung vorbildlich vereinbart.“

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